Ein paar Stunden sind es noch, bis im Ostseestadion der Ball rollt und unsere Mannschaft der B****er Hertha den Ausgang zeigt. In den letzten Tagen hat sich in Bezug auf dieses Spiel schon so etwas wie eine Euphoriewelle losgetreten - die Hütte ist voll, das Flutlicht ist an und mit Sicherheit spielen auch die Erinnerungen an DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern eine Rolle, wenn es darum geht, sich auf den heutigen Abend einzustimmen.

Ich selbst brauche offengestanden noch ein bißchen, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Vielleicht läuft es tatsächlich so wie gegen Kaiserslautern, als es mich beim Betreten des Ostseestadions packte und der Rest des Abends unwillkürlich seinen Lauf nahm. Aber als bekennendem B****n-Scheißefinder muß ich mir die Euphorie beim Namen des Gegners irgendwie anderweitig organsieren. Zaun um die Stadt ziehen, Schloß dran, Schlüssel runterschlucken und in den Wald scheißen, das wäre so in etwa min Matchplan... der Vorteil eines solchen Loses ist aber natürlich, daß die olle Tante aus dem Hauptmoloch eine Anhängerschaft in angemessener Mannstärke mitbringt, die noch ein paar Mücken mehr in die Kasse spült als zwei Kleinbusse voller Hoppenheimer oder Golfsburger. Nutzen wird ihnen das stimmungstechnisch freilich genau gar nichts, wenn unsere Jungs im Süden (und überall sonst) auch nur annähernd Normalform erreichen.

In der Vergangenheit haben sich bei mir dann aber doch eine Handvoll Spiele gegen Hertha nachhaltig eingeprägt. Das legendäre 4:0 zuhause mit einem sichtlich angefressenen Axel Kruse im anschließenden TV-Interview (leider finde ich auf die Schnelle kein Video davon). Mein erstes Auswärtsspiel Ende der 90er, im ausverkauften Olympiastadion mit 25.000 Hotten im Rücken. Ich war schwer beeindruckt, doch leider haben wir 0:2 vergeigt. Damals stand bei den Charlottenburgern ein ungarischer Jungspund in Jogginghosen im Tor; ein Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt... ein Heimspiel ungefähr im gleichen Jahr, daß wir trotz geradezu grotesker Überlegenheit in Hälfte eins dann doch noch mit 0:2 verlieren. Und natürlich das Heimspiel 2005, in dem Fußballgott Jari Litmanen ein Tor selbst erzielte und ein weiteres vorbereitete. Scheinbar ewig her und irgendwie doch noch greifbar. Und dann fällt mir wieder ein, daß wir heute abend auf dem Papier nur krassestmöglicher Außenseiter sind.

Daß das nichts bedeuten muß, haben in dieser Runde vor Allem Cottbus und Magdeburg bereits eindrucksvoll bewiesen. Das Freilos des VfL Osnabrück will ich an dieser Stelle mal ausklammern ;) Und so abgedroschen es auch klingt – es ist nur ein einziges Spiel; 90 Minuten (oder mehr), die bei 0:0 starten und in denen alles möglich ist. Und wie oft haben wir selbst als vermeintlicher Favorit diese Unberechenbarkeit des Pokals zu spüren bekommen, sowohl auf regionaler als auch auf bundesweiter Ebene. Es wírd Zeit, den Spieß umzudrehen. Daß die 3. Liga bereits seit ein paar Wochen im Gange ist, während die Bundesliga noch auf den ersten Spieltag wartet, kann ebenso ein nützlicher kleiner Baustein für die Pokalhürde sein, die wir heute abend sein wollen.

Also volles Rohr aus allen Richtungen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Fußballseniorinnen. Wenn die Alte Dame dann betreutes Wohnen braucht, soll der Mannschaftsbus nach dem Spiel doch gleich die paar Meter in die Kuphalstraße weiterfahren! Den Traum vom Finale zuhause werden sie auf die nächste Saison vertagen müssen. Aber vielleicht schaffen sie es ja irgendwann; vielleicht sogar, bevor der Flughafen fertig ist...

Ich muß sagen, daß das Schreiben dieses Textes der Motivation doch sehr zuträglich war.

DER POKAL DEM FCH!

HANSA!

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