Bereits nach kurzem Überfliegen der Zugfahrpläne wurde mir klar, dass das so nichts wird und man stattdessen das Fortbewegungsmittel wechseln muss. Eine Anreise mit PKW klingt im Prinzip nicht schlecht. Doch wer nicht vorsichtig und wachsam genug ist, findet sich plötzlich samt Autoschlüssel auf dem Fahrersitz wieder und darf Chauffeur für die gesamte Meute spielen.

Relativ schnell war klar, dass mir durch eine unglückliche Verkettung von Umständen (für welche ich im Übrigen nichts kann!), dieser Part auferlegt wurde. Aus und Vorbei der Traum einer entspannten Abschlussfahrt. Stattdessen Tristesse auf einer nicht enden wollenden Betonstrecke, drängelnden Autofahrern im Rückspiegel und der ständig lauernden Gefahr von Passbildern auf einer eigens angelegten Teststrecke rund um Berlin. Auch die Auswärtsfahrt nach Zwickau in Erinnerung ließ die Freude auf jeden einzelnen der knapp 480 Kilometer nicht gerade ins unendliche schießen.

 

Der Wecker von der Arbeitswoche musste nicht großartig neu ausgerichtet werden, die innere Uhr war präzise auf das Leuten kurz vor Sechs in der Früh präpariert. Dementsprechend locker flockig aus den Federn gekrochen, auf Party am Vorabend wurde vorausschauend mit Blick auf den Fahrstil und dem daraus folgenden Wohlbefinden der Insassen verzichtet. Noch mit einem Lächeln im Gesicht und den verzehrten Brötchen im Bauch ging es auch schon los, den Rest der Brigade abholen.

 

Am Treffpunkt angekommen, verkleinert sich dies strahlende Lächeln schnell. Das erste Bier war bereits angezapft und gluckerte gemütliche die Kehle herunter. Bemüht mir den Anblick schlecht zu reden, schließlich konnte der Uhrzeiger gerade so die 7 passieren und sämtliche Vernunftsorgane innerhalb des Körpers schlugen Alarm es sei Wahnsinn schon zu so früher Stunde dem kalten Bier zu verfallen, saß der erste Rückschlag des Tages tief.

 

Unsere Reisegruppe erreichte immerhin die Anzahl derer 4 Personen. Von außen betrachtet sicherlich nicht die hübscheste, dafür aber eine mit sämtlichen Kompetenzen ausgestattet Gruppe. Sei es ein staatlich geprüfter Bierverkoster (dessen Qualifikation von mindestens 3 Personen hinterfragt wird), der Hansa-Oberligaerfahrene und mit allen sportlichen Hoch sowie Tiefs gewaschene Haudegen, der junge Wilde aus der Platte oder aber meine Wenigkeit dessen Beschreibung ich lieber unter den Tisch fallen lasse. Irgendwie hatten wir uns so gesucht, (un-)glücklicherweise auch gefunden. Die Fahrt versprach also heiter zu werden, genug Zeit war jedenfalls vorhanden.

 

Über die Gespräche könnte man jetzt sicherlich Seitenweise ausschweifen. Egal ob es um die ‚gute alte‘ Zeit in der DDR-Oberliga oder die aktuelle sportliche Situation ging, interessant war es allemal. Die alten Kamellen wurden dann doch recht kurz gehalten, schwelgen in der Vergangenheit war auch nicht drin. Aber auch mehr oder weniger Gespräche ohne Hansabezug konnten angekratzt werden, die Zeit verging zu meiner Verwunderung wie im Fluge.

 

Lästige einzig und allein zwei Dinge: wenn man selbst den Leberfunktionstest nicht durchführen darf, macht es einfach keinen Spaß jeden dritten Parkplatz aufzusuchen und ewig zu warten bis Platz für Nachschub geschaffen oder aber hastig zwei Zigaretten aufgeraucht wurden. Dazu noch die innere Aufregung einzelner Personen, die darin gipfelte dass die Notpackung an Zigaretten auf dem Dach vergessen wird und nach einem weiteren Halt später hastig und verzweifelt nach dem Handy gesucht wurde, mittels Anfangsverdacht jenes ebenfalls auf dem Dach liegen gelassen zu haben, stellt sich schon die Frage: wer fährt hier eigentlich schon seit über 20 Jahren auswärts und warum ist dieser Jemand so nervös? Um diese Nervosität dann noch irgendwie zu bekämpfen, mussten weitere sich ziehende Pausen eingelegt werden, um bereits erwähnten Nikotinspiegel aufrecht zu erhalten.

 

Kurz vor Chemnitz dann erstmalig Sorgenfalten auf der Stirn. Der Geschmackstester Fachbereich Bier macht schlapp! Ganz still und heimlich fallen dort schon 12Uhr mittags die Augen zu. Für ein ‚Gute-Nacht-Liedchen‘ blieb wenig Zeit, schließlich musste auf Drängen gewisser Einzelpersonen eine (weitere) stille Örtlichkeit aufgesucht werden. Da diese jedoch nur durch hastiges und scharfes Abbremsen erreicht werden konnte, war dann auch der letzte im Auto wieder wach.

 

In Chemnitz selbst stellte sich schnell heraus, dass die Sachsen in der Polizeiausbildung lediglich 4 Buchstaben behandelt haben und auch im Flaggenkunde-Unterricht eher schläfrig waren. Eine kleine Rodeo-Fahrt auf der Suche nach einem Parkplatz gipfelte schließlich in der Androhung einer Festnahme falls man eine Straße, die als Weg für Gästefans klar kommuniziert wurde, befahren würde. Der Zeitplan geriet darauf kurzzeitig ins Wanken. Die Nerven lagen ebenfalls kurz auf Eis als uns Staatsdiener klar machen wollten, dass die Anweisungen ihrer Kollegen scheinbar unter denen einer tendenziell mit der Situation überforderten Ordnungsdienstkraft stehen. Geparkt werden konnte dennoch irgendwo ganz entspannt, Stress mit vorbeilaufenden Chemnitzern gab’s nicht. So also schnell gelaufen und pünktlich zum Anpfiff den Platz eingenommen. Der Anblick der anderen Tribünen überraschte dann doch etwas, schließlich waren die Erwartungen eher auf die Zuschauermarke um die 10.000 gerichtet. Dass am Ende nur 7.800 zugegen waren, wunderte den einen oder anderen doch.

 

Für das Spiel gilt: die einzigen an diesem Tag mit Höhenluft waren ganz klar die aktiven Fans im Gästeblock. Auf dem Platz erlebten wir wieder einmal eine Bruchlandung bzw. startete die Maschine gar nicht erst. Chemnitz konnte sich gemütlich durchkombinieren und die Buden machen. Hansa wollte wieder seinen Stiefel durchziehen. Taktikbuch Seite 08, Absatz 15: Ball hin und herschieben, bloß selbst keinen Abschluss durchziehen lieber einen Mitspieler in diese 'Bedrängnis‘ bringen. Das nächste Spiel was sich nahtlos in die Saison einfügt und allen vor Ort anwesenden nur Kopfschütteln und Ärger hervorbringen lässt. Typisch wieder im 4-2-3-1, hinter der einzigen Spitze Cello spielte Gebhart. Gerade diese beiden in Halbzeit eins mit vielen abwinkenden Gesten, wenn der Ball in den Raum gespielt wurde, dies ihrer Meinung nach aber falsch war. An Torschüssen fällt mir tatsächlich nur der Standard ein. Ansonsten eine Kontermöglichkeit, die aber durch bereits erwähnte Angst vor dem Abschluss im Sande verlief. Erst in Halbzeit zwei, ca. um die 60 Spielminute herum, Hansa mit Gelegenheiten. Nach der ersten eigenen Ecke Hoffi frei mit einer Kopfballchance. Dieser aber auf Grund der freien Position vor dem Tor schwach verwertet. Ansonsten wurde sich auf dem Flügel 2-3 mal mit Tempo durchgesetzt, die Hereingaben fanden jedenfalls keinen Abnehmer. Wie soll das auch funktionieren, wenn die einzige Spitze zur Halbzeit runter genommen wird? Hinten können wir uns nur bei Schuhen bedanken, dass das Spiel nicht eine Blamage wird und wir mit vier fünf Buden zurück an die Ostsee geschickt werden. Spiel plätscherte zum Ende hin dem Abpfiff entgegen, bis auf Ballgeschiebe fiel uns nichts ein. Überraschend vor allem, warum Andrist im Kader fehlte oder gar warum Gardawski spielen durfte. Da er seinen Abschied bereits verkündet hat, hätte ruhig Wannenwetsch die Chance bekommen können sich für einen neuen Vertrag anzubieten.

Um aber ganz ehrlich zu sein: wir haben immerhin einen Punkt mehr als dass das Ziel war. Wir liegen deutlich über unseren Soll! Die Saison war tiefenentspannt, dass wir nur 2 Punkte über dem Strich stehen interessiert scheinbar niemanden. Auch das Erfurt, bis vor 2 Wochen noch mit dem Arsch an der Wand, sich heimlich an uns in der Tabelle vorbei schleicht, völlig egal. An dieser Stelle einfach nochmals ein Lob an unsere Verantwortlichen, dass sie zu einem Fehler stehen und sie auch bereit waren diesen zu korrigieren!

Das Beste an diesem ganzen Rudelbums-mit-anfassen: der Block. Ich weiß nicht wie vielen es noch so geht, aber das Lied unsere Heimat etc. erweckt in mir den gewissen Stolz auf mein Bundesland und meinen Verein. Einfach nur geil, wie alle anwesenden Leute dies ebenso sehen und aus voller Kehle mitsingen. Das Abgefeier mittels ,über den Wolken‘ oder ,Marmor, Stein und Eisen bricht..‘ einfach ein würdiger Abschluss der Saison zumindest auf Fanebene. Und genau das ist das, was mich zu jedem Spiel antreibt, weil genau das Hansa Rostock ist. Und genau weil ich weiß, dass es einer Menge Leute ebenfalls so wie mir geht, dass sie diesen Verein im Herzen tragen. Dass sie leiden, wenn es nicht läuft. Dass sie aber dennoch immer da sind und alles dafür geben Hansa auf diese Art und Weise zu repräsentieren und so den Verein mit Leben füllen.

 

Die Verabschiedung der Spieler für mich sehr kurz und knapp ausgefallen. Anhand des Spielverlaufes und der Situation dass der neue Trainer auf der Tribüne sitzt, gab es auf dem Feld keine Reaktion. Jeder Spieler mehr mit sich beschäftigt, ständig am rummeckern mit dem Teamkollegen. Da ist aus einer beißenden und kämpfenden Truppe nur noch ein Schuhen übergeblieben. Alle anderen weit unter Normalform.

 

 

Rückfahrttechnisch war die Enttäuschung über eine völlig katastrophale Saison zu spüren. Quasi wurden wir eher noch zurückgeworfen statt nach vorne gebracht. Die halbe Mannschaft ohne Vertrag, das Spielsystem erkennbar aber nicht für die Mannschaft geschaffen, kein Teamgeist und keine Euphorie, stattdessen Ernüchterung und der hoffende Blick in die Zukunft. Das alles besser werden soll jammern wir uns schon seit Jahren zum Ende jeder Spielzeit vor, dass es schon gar nicht mehr schlechter werden kann ebenso. Bleibt zu hoffen, dass genau dies dann auch endlich eintreten mag und unser neuer Coach ehrliche Arbeit an den Tag legt und eine Mannschaft formt, die Hansa Rostock gerecht wird und nicht die an zu hohen Erwartungen klein geredet wird.

 

Nur Prinz Eisenfuß war es zu verdanken, dass Rostock zu relativ früher Stunde erreicht werden konnte. Wäre man mit dem Zug noch irgendwo in der Pampa, konnten nun Balkonien gekapert werden und der Tag gemütlich bei dem doch schick anzusehenden Sonnenuntergang ausklingeln. Schließlich stecken knapp neun Stunden auf engstem Raum doch in den Knochen. Ein Dank an dieser Stelle besonders an das Gefährt, welches stets jede heikle Kurvenlager sicher in Angriff nahm und auch sonst gemütlich durschschnurrte. Auch die Autobesatzung hielt sich, sonst mit einem großen Repertoire an Fahrtipps ausgestattet, stets zurück und war mehr mit der Leerung der Getränkereserven beschäftigt.

In diesem Sinne: der Pokal dem FCH! Und: nächste Saison wird alles besser ;) !

 

 

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