Da war es nun, das Montagsabendspiel beim FSV Zwickau. Im Vorfeld war dann doch eine gewisse Anspannung zu spüren, man könnte sogar sagen, das Ganze hatte den gewissen Hauch des Besonderen. Zum Montagabend führte das Ereignis eine respektable Menge an Auswärtsfahrern zusammen unabhängig von dieser vehement kritisierten, opressiven Spielansetzung. Sei's drum, wir lassen Hansa nicht hängen. Diejenigen, welche sich bei "Sachsen Schw..."-Gesänge immer verschmitzt anlächeln, auf die Zähne beissen oder auch mitgröhlen treffen sich vor dem Spiel mit Fans aus Meck-Pomm. Schön, dass Hansa überall ist. Nach Zusammenkunft geht es dann auch schon auf Richtung Zwickau. Unser Freund und Helfer macht erst den Weg für den Bus der Kogge frei, was frenetisch bejubelt wird um dann selber in den Autos nachzuschauen ob auch ja jeder angeschnallt ist und genug Ersatzzündkerzen an Bord hat. Die neutralen, ebenfalls im Stau steckenden Autofahrer wirds gefreut haben.

Ich muss sagen das Stadion des FSV hat irgendwie was. Bin sonst kein Freund von offenen Ecken, mag angestaute Akustik. Jedoch hat das Ganze auch durch die Nähe zum Spielfeld einen gewissen englischen Charakter. Wie jedoch diese Stadt Profifussball logistisch löst bzw. lösen will ist mir ein absolutes Rätsel. Glücklicherweise haben sich die Anwohner in der Umnähe scheinbar mit Gästefans arrangiert und zeigen sich kompromisbereit. Vor dem Stadion gibts Extrabekleidung, schöne Aktion der Fanszene. Kreativ und mit Charme, unterstützt man gerne. Nach Beflaggung gehts auch schon rein in den Block und das Spiel beginnt.

Hansa Rostock spielt eine starke erste Halbzeit, die so nicht mal der eigene Anhang auf der Rechnung hatte. Taktisch verändert mit Tim und Sofi als Doppelspitzen und mit alle anderen im 442 klassisch ohne Raute. Dadurch klare Positionszonen, Zugriff aufs Spiel und Dopplungsmöglichkeiten auf dem Flügel. Hansa verschiebt gut und zwingt Zwickau zu einem eher untypischen Steilspiel hinter die Kette wovon viel bei Schuhe landet. Dieser Matchplan ist defenitiv aufgegangen, besonders Sofian macht ein starkes Spiel, weicht immer wieder auf den Flügel aus und macht Bälle fest. Ein Gesamteindruck wie ausgewechselt. Andrist spielt und kämpft sich auch stark ins Spiel. Nach einer klugen Verlagerung ins Zentrum von Bischoff steckt Andrist auf Sofian durch und erläuft sich den Raum am langen Pfosten. Durchgesteckt, 1-0! Das war starker, einfacher Fussball! Das 2-0 macht Sofian dann selbst und belohnt sich für seinen Einsatz. Im Block kann das niemand glauben, komplettes Ausrasten. Wir sind da, Hansa! Halbzeit. Sammeln. Verdauen. Ein Ergebnis wie Balsam für die Seele. Der an diesem Tag gute Support auf der Gegentribüne zu diesem Zeitpunkt herzhaft verstummt. Nach der Halzeit kann Hansa zunächst anknüpfen, Zwickau fehlt der Zugriff aufs Spiel. Wechsel Quiring für Holthaus. Ich kann verstehen dass sich CB anhand des Spielstandes für diese Personalie entscheidet. Irgendwann muss der stattlich herangewucherte Seemansknoten ja platzen, wenn wann nicht in so einem Spiel wo das Kollektiv rollt? Den Denkansatz (sollte ich das richtig interpretiert haben) kann ich durchaus nachvollziehen. Jedoch gibt es einen Bruch im Spiel, Hansa verliert das Quäntchen Stabilität was das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lässt. Zwickau gelingt der Anschlusstreffer. Die hohe Hereingabe klärt Schuhen unzureichend welche auf der Schulter von Erdmann landet und Koch vollstreckt. Auf einmal ist wieder Feuer im Kessel und die Kulisse weckt auf. CB bringt in der Folge Gebhardt, welcher wahrscheinlich Bälle festmachen und nochmal einen offensiven Impuls setzen soll. Jedoch ist er es, der verpasst, sich defensiv einzuschieben und mit hinter dem Ball zu arbeiten. So gelingt die Seitenverlagerung unbekümmert auf die rechte Seite, wo auch Quiring den Raum nicht besetzt. Die Flanke landet somit gezielt bei König welcher einnippelt. Im Zentrum dabei keine Zuordnung, die im ersten Durchgang noch starken IV Henn und Hofi gegen 3 Zwickauer in der Unterzahl. Man kann von Glück reden, dass Zwickau nicht noch das dritte Tor macht. Die lange Reingabe landet am Pfosten. Das wäre dem Spielverlauf alles andere als gerecht gewesen, aber Hansa und seinen Fans bleibt ja gefühlt nichts erspart diese Saison. Schlusspfiff. Ein Punkt wie eine Niederlage. Wann hatten wir auswärts den Sieg schon mal so greifbar? Mann, Mann. Man muss auch sagen dass Zwickau keinen überragenden Fussball spiel, da wird einfach bis aufs Messer gekämpft. Ein erneuter Sieg durch Mentalität. Diese Mannschaft wirkt auch deutlich fitter und konnte vor allem im zweiten Durchgang zulegen. In den Rostocker Reihen fehlt es da merklich, was nicht nur durch dieses Spiel offensichtlich wird.

Zum Thema Pyro fällt es mir deutlich schwer, mich zu äußern. Jedenfalls habe ich lange überlegt ob und wie ich darauf eingehe da ich genug Pro und Contra in meinem Bekanntenkreis aber auch in mir selbst dazu habe. Ich möchte das Thema weder künstlich aufbauschen, noch über das Spiel schreiben und es dabei verschweigen. Bild und Ton gibt es genug, disskutiert wird überall (mit mehr oder weniger Distanz zu dem Thema, sachlich, emotional..alles dabei) und entschieden dazu sicher auch. Es spielt auch gar keine Rolle was ich darüber denke oder was die Mehrheit der Leute im Block dazu denken oder ob man bei sowas reagieren muss. Es spielt auch keine Rolle ob das schön oder nicht schön ist, ob der Blinker im Block bleibt oder eine Rakete aufs Spielfeld fliegt. Es geht einzig und alleine darum wie es nach aussen wirkt und wie man es auf Hansa reflektiert. Denn, jedem sollte bewusst sein, dass Hansa nach wie vor in starken, finanziellen Schwierigkeiten steckt. Das scheinen gewisse Leute zu vergessen, obwohl sie im nächsten Atemzug nach mehr Qualität im Kader, Transfers etc. schreien. Und das ausgehend von einer persönlich-befindlichen Motivation. Da sollte man sich vielleicht mal hinterfragen, was wichtiger ist: dass ich den Dynamos gegenüber ein größeres Rauchzeichen vor den Latz baller oder an meinen eigenen Verein zu denken. Fakt ist, viel hat zum Spielabbruch nicht gefehlt. Wenn Dinge auf dem Platz landen kann man keine Argumentation gelten lassen. Glücklicherweise war das Spielgeschehen in diesem Moment auf der anderen Seite (Szene Beginn 2.HZ) und ob man das aus dem Rhythmuskommen der eigenen Mannschaft bei 2-0 Führung riskieren muss ist auch fraglich. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt dass wir selten so nah am Spielabbruch standen wie in diesem Moment. Und das ist weder der Grund warum eine Großzahl der Fans da Montagabend hinfahren noch das, was unser Verein gebrauchen kann. Wenn wir ein Verein sind, dann stehen wir auch gemeinsam für die kommende Strafe ein. Das Strafmaß wird sicher wieder zu diskutieren sein, die Ausgangssituation jedoch nicht. Schade eigentlich, vor allem wenn solche Aktionen wie die Jacken oder der allgemeine Support an dem Tag das Ganze eigentlich positiv begleiten. Nils an dem Tag gut drauf und alles gebend am Mikro und hier und da mit dem ihm eigenen Charme.

Die Spielverlegung gab es ja nicht ohne Grund. Deswegen alle von Team Green vor Ort. Eine Rechtfertigung muss es ja geben. Selten so ein Aufmarsch erlebt. Aber wichtig ist, dass der Polizist den Polizist bewacht der den Polizist bewacht der den Polizist bewacht der den Polizist bewacht der den Polizist bewacht der den Fan bewacht. Es hatte schon was romantisches, wie Team Green (Team Black) danach im gleissenden Licht der langsam dimmenden Stadionscheinwerfer standen, keine Miene zum bösen Spiel verziehen, präventiv deeskalierend durch offensichtliche Teilnahmslosigkeit. Soll mir nochmal einer was über die Verschwendung von Geldern erzählen. Heimwärts muss man das Geschehene jedoch sacken lassen mit dem Gefühl, den Sieg sich selber ausgewechselt zu haben. Ohne das an einzelnen Personen festzumachen aber fakt ist, die Mannschaft der 1.Halbzeit hat funktioniert, zwei Stürmer haben funktioniert. Jetzt ist es daran Grundlagen zu legen. Für die nächste Saison. In allen Bereichen.

Und wenn der Rauch verweht haben alle Beteiligten hoffentlich wieder freie Sicht aufs wesentliche: Hansa.

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