Auf nach Bremen!Manchmal treibt das Leben seltsame Blüten. Besonders im Fußball erfreut sich diese Binsenweisheit einer hervorragenden Trefferquote, wobei die mögliche Vielfalt hinter einem solch unscheinbaren Satz oft erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen ist. Und wer sollte es dem „echten Fan" mit Sky-Abo und Sitzplatz-Dauerkarte für den örtlichen Bundesligaclub übelnehmen, wenn die Faszination für sportliche Stilblüten beim „Ausgerechnet!" endet, das der Reporter in den Äther kippt, wenn Trikottourist Rostislav Kennichnic zufällig bei einem seiner letzten zwölf Arbeitgeber einnetzt.

0:2 beim HFCJa, ich weiß, ich bin mit meiner Nachbetrachtung des Spiels bei Chemie Halle „etwas" spät. Es ist nämlich gar nicht so leicht, alle paar Tage die gleiche Botschaft in einen weiteren Text zu packen. Schließlich sind wir hier bei hansafans.de und nicht bei Nickelback, da möchte man schon einen gewissen Anspruch wahren. Ein „nach Halle gefahren – aufs Maul bekommen – zurückgefahren" wäre zwar eine zutreffende Zusammenfassung, aber dieser unserer Seite nicht würdig.

1:0 gegen Mainz IIHeute bietet sich endlich wieder einmal die Gelegenheit, von der guten alten Zeit zu schwadronieren und sich beim unvermeidlich folgenden Realitätsabgleich zu versichern, daß im Ostseestadion seit Jahren ein falscher Film in Endlosschleife aufgeführt wird. Den FSV Mainz Zwo nicht nur als Widerpart in einem Liga-Pflichtspiel zu empfangen, sondern ganz ernsthaft im Vorfeld schon mit „Hui, das wird ein hartes Brett" in die Vorbereitung einzusteigen. Wenn mir das jemand vor zehn Jahren prophezeit hätte...

Ich gebe zu, ich hatte so meine Schwierigkeiten, dem Landespokal etwas Positives abzugewinnen. Das ist in dieser Saison bis jetzt irgendwie anders. Nicht (natürlich nicht!), weil Hansa mit rundum begeisternder Spielweise die Dorfäcker erobert und das staunende Volk mit wahren Schützenfesten ins Schwärmen bringt. Auch nicht, weil selbst diesem Wettbewerb mittlerweile sogar eine gewisse Spannung innewohnt und es keineswegs selbstverständlich ist, dass der einzige Profi-Club des Landes nach dem Endspiel den Pott wieder in die eigene Vitrine zurückstellt – wobei: immerhin durften wir das gute Stück ja bei der Hälfte der bisherigen Teilnahmen tatsächlich mitnehmen.

Jetzt, da der große Sturm und Donnerhall rund um das Ostseestadion allmählich nicht mehr ganz so heftig wütet, findet so der eine oder andere auch wieder Zeit für das Tagesgeschäft. Die mittlerweile fast schon ungewohnte Perspektive wartet für einige Fans und, ähm, „Mediengestalter", die gerade erst den Schmutz der letzten Schlammschlacht von ihrem Blaumann klopfen, mit einer Überraschung auf. Plötzlich stehen für unseren Verein (saisonübergreifend) zwei Siege aus 17 Ligaspielen in der Statistik. Und genauso plötzlich beginnt das Spiel der „Marktmechanismen". Ein Sieg gegen die Würzburger Kickers muß her, weil sonst der Druck und so weiter.

 

Jawohl, endlich wieder Spocht. Schluss mit kratzen, beissen, schreien. Oder hoffentlich eher nicht, denn diese Attribute sind auf dem Grün nun auch nicht so verkehrt. Über die MV, die "Vorbereitung" darauf und die Folgen lässt sich mittlerweile jeder der mehr oder auch weniger Ahnung hat aus, deshalb soll dies kein Thema in dieser Vorschau für Samstag sein.