Im Süden des Landes haben sich diverse mir noch unbekannte Aufsteiger in die Regionalligen eingenistet. Das soll natürlich kein Dauerzustand sein. Nach kurzer Sondierung der Möglichkeiten fällt die Wahl auf den VfB Eichstätt und seinen Kick gegen die Zwote des FC Augsburg.

 

04.08.2017 / 18.30 +++ VfB Eichstätt FC Augsburg II 3:2 (0:1)
VfB-Stadion (850 Zuschauer)

 

Bereits früh am Morgen bin ich am Start, denn erstens sind es ja doch ein paar Meter (bis kurz vor Ingolstadt) und zweitens läßt mich der Wikipedia-Eintrag auf eine nette Örtlichkeit hoffen. Nach zwei vorausgegangenen Nachtschichten bin ich noch angemessen zerstört, als ich gegen Mittag am Spielort eintreffe. Sogleich geht es zur Inspektion zum Stadion, das wie immer ausführlichst abgelichtet wird. Tagesordnungspunkt eins abgehakt. So läßt es sich im Anschluß entspannt den Ort erkunden. Eichstätt enttäuscht nicht und ist wirklich sehenswert. Einmal mehr zeigen sich die Vorteile des zum-Fußball-fahens als Hobby... warum sonst sollte man sich freiwillig in Orte wie Eichstätt, Kalkar oder ähnlich unbekannte Siedlungen begeben. Mein persönliches Highlight ist eine private Ausstellung, die sich gegen die Institution katholische Kirche richtet. Mitten in Bayern! Noch dazu in einer Kirche! Manche der Ausstellungsstücke sind selbst für meinen Zynismus etwas zu weit "drüber", aber einen Rundgang ist das Ganze allemal wert. Postkarten der Gemeinde gibt es auch, ich bin zufrieden. Selbst die Wärme vermag mir das nicht kaputtzumachen.

Der Zeitplan geht wunderbest auf und ich stehe eine halbe Stunde vor Anpfiff wieder am VfB-Stadion, das (fast schon natürlich...) offiziell nicht mehr so heißt. 850 Menschen finden sich heute hier ein. Der Tribünenplatz schlägt mit 13€ zu Buche - schon verrückt, wenn man bedenkt, daß die Karten für die Vortribüne im alten Ostseestadion zu Bundesligazeiten 25 DM kosteten. Ja, damals... Derweil ist die Tribüne hier eine kleine überdachte Konstruktion mit Holzbänken. Mein absoluter Favorit (und eine der fetzigsten "Tribünen", die ich je gesehen habe), steht jedoch gegenüber. Oder liegt, je nach Perspektive. Wieder kommen Erinnerungen ans alte Ostseestadion auf, genauer gesagt an die Europaletten, auf denen stehend ich im ehemaligen Block E das Geschehen auf dem Rasen verfolgte. Es dauerte Jahre, bis meine Palettennachbarn und ich die selbstgebaute Tribüne aufgeben mußten.

Das Spiel beginnt und es entwickelt sich genau das, was man von einer Partie dieses Kalibers erwarten kann. Eine technisch beschlagene Zweitvertretung trifft auf einen Haufen Jungs, die bereits seit Längerem im Herrenbereich aktiv sind und, sagen wir mal, eine etwas andere Herangehensweise an den Sport verfolgen. Am Ende setzt sich die mit Erfahrung gepaarte Bissigkeit durch. Von den 850 Anwesenden freut das in etwa 842.

(die Willibaldsburg)

 

(Haupttribüne VfB-Stadion)

(Der Blick auf die andere Seite)

(die "Gegentribüne")

 

Im Anschluß an den Kick geht es flott zurück zum Bahnhof; Spielraum für Fehler gibt es nämlich nicht. Über Ingolstadt und Frankfurt gerate ich über Nacht nach Hamburg, wo erst einmal ein Boxenstop zur Kadaverpflege ansteht.

Nach dem Heimspiel gegen Meppen geht es zunächst zum obligatorischen Verwandtenbesuch. Diesmal drängt die Zeit hierbei nicht, ist doch die Weiterreise mit dem Bus erst für 2.20 in der Nacht vorgesehen. Für den Sonntag stehen nämlich zwei Derbies auf dem Programm.

 

04.08.2017 / 12.00 +++ Lyngby BK FC Nordsjælland 1:4 (1:1)
Lyngby Stadion (2.255 Zuschauer)

 

 

Gegen 9.00 in der früh ist Kopenhagen erreicht. Die S-Bahn bringt mich in einer knappen halben Stunde nach Lyngby, wo am Mittag das Sjælland-Derby ansteht. Die frische Luft tut gut und dankenswerterweise liegen die spärlichen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zum Stadion. Da haben die Stadtplaner tatsächlich einmal mitgedacht, vielen Dank dafür.

Am Lyngby Stadion werde ich nun um etwa 17€ geschröpft und erhalte dafür ein Online-Ticket im A4-Format. Einerseits nervt dieser um sich greifende Online- und Äpp-Scheiß ganz gewaltig; andererseits muß man ja gerade in Skandinavien um jeden physischen Eintrittsbeleg froh sein. Auf der Stadionrunde gerate ich in ein Gespräch mit zwei Dänen, die zwar befreundet sind, heute allerdings in verschiedenen Kurven stehen. Nach ein wenig Fachsimpelei über den dänischen Fußball und unsere Bundesliga widmet man sich nunmehr dem Match. Dieses startet gemächlich, nimmt dann aber etwas Fahrt auf und am Ende muß Lyngby froh sein, nicht böse verdroschen zu werden. Obwohl ja ein 1:4 zuhause schon bitter genug ist... Hochlichter des Spiels gibt es hier.

(Gegentribüne)

(Haupttribüne)

(Lyngbys kleiner Haufen aktiver Fans)

 

(Gästeblock)

 

Eine weitere Stadionrunde später finde ich ich im Bus nach Brøndby wieder.

 

 

04.08.2017 / 18.00 +++ Brøndby IF FC København 1:0 (0:0)
Brøndby Stadion (21.169 Zuschauer)

 

Von G**gle Mäps fehlgeleitet steht nun ein knapp 3km langer Fußmarsch an; was solls, Zeit ist genug. Den Ort Brøndby selbst kann man sich getrost schenken. Wie sich der geneigte Leser denken kann, was das aber natürlich auch nicht das primäre Ziel der Veranstaltung. Vielmehr heißt es für mich heute zum dritten Mal "New Firm". Nachdem ich bereits vor neun Jahren das erste Mal zum Klassiker im Parken war und nicht enttäuscht wurde, war das Rückspiel eine ausgemachte Sache. Gesagt, getan... gelangweilt. Der FCK zog an diesem Rückspieltag die Meisterschaft klar und die ganze Veranstaltung war dergestalt öde und nicht mit dem ersten Match zu vergleichen, daß ich mir schwor, diesen Betrug nicht auf mir sitzen zu lassen. Nun also Brøndby, die Zweite.

Bereits eine knappe Stunde vor Anpfiff ist die Sydsiden sehr gut gefüllt und dem Anlaß entsprechend motiviert. Enttäuschend ist das winzige Kontingent, daß dem FCK zugestanden wird. Vielleicht anderthalbtausend mögen es sein, die sich im Gästeblock verlieren dürfen - umgeben von riesigen Pufferzonen. So ist das Stadion mit etwas mehr als 21.000 Zuschauern bereits "ausverkauft". Gleich zu Beginn kommt es auf beiden Seiten zum verstärkten Einsatz von Seenotrettungsmitteln, so daß sich der Anpfiff ein wenig verzögert. Bereits jetzt hat dieses Spiel den ersten "Versuch" bei Brøndby um Längen hinter sich gelassen - soviel dazu. Auf den Rängen bleibt es zunächst schwungvoll, wobei sich der Anhang des FCK leidenschaftlich gegen die Übermacht stemmt. Wirklich ein beeindruckender Auftritt der Jungs und Mädels in weiß und blau. Der Kick selbst kann nicht mithalten und zieht seine Daseinsberechtigung aus der Spannung. Nach einer Viertelstunde läßt auch die Stimmung nach, fängt sich jedoch infolge einer Rudelbildung auf dem Feld kurz vor der Pause.

Die zweite Hälfte verläuft ähnlich, intensiv, aber ohne die ganz großen spielerischen Höhepunkte. Zwischendurch kommt ein Brøndby-Supporter nach einer Meinungsverschiedenheit etwa fünf Reihen herabgesegelt und räumt mich beinahe mit ab. Der Fluggast wird daraufhin abgeführt, taucht allerdings zwei Minuten später mit Schaum vorm Mund wieder im Block auf. Erst daraufhin gelingt es, seiner Herr zu werden.

Als sich trotz aller Intensität ein 0:0 abzeichnet, bricht Brøndby ein letztes Mal durch. Vom Innenpfosten prallt der Ball zunächst zurück ins Feld, wird dann jedoch über die Linie gedrückt. Jetzt drehen hier alle durch - während Brøndbys Anhang im kollektiven Freudentaumel schwelgt, beginnen im Gästeblock erste Umgestaltungsmaßnahmen. Ein Ordner bekommt einen Gegenstand ab, woraufhin die Polizei aufzieht und es zum Austausch der zur Verfügung stehenden Materialien kommt. Ich vermute derweil, den Abpfiff vernommen zu haben und begebe mich Richtung Ausgang. Im Unterrang nochmal schnell durch die Tür gelinst - oh, die Uhr läuft ja noch... während die Spieler nun also in gebührender Entfernung das Treiben beobachten, verleiht die Riot-Fraktion des FCK ihrem Ärger über den Spielverlauf Ausdruck. Es dauert über 20 Minuten, bis die letzten Augenblicke gespielt werden können. Eine Zusammenfassung des Spiels gibt es hier in blau und gelb bzw. dort in weiß und blau. Auch für die 3. Halbzeit findet sich bereits allerlei Videomaterial.

(Intro Brøndby IF)

(Das Pendant der Gäste)

 

 

Der Rückweg zur S-Bahn verläuft aufgrund diverser gesperrter Straßen eher unkonventionell. Zu allem Überfluß finde ich mich plötzlich und ungeplant im Abmarsch des FCK wieder. Zwar gelingt es, mich kurzzeitig abzusetzen, doch sind wir an der S-Bahn wieder vereint. Da mich der Durst plagt, suche ich den örtlichen anatolischen Dealer auf. Das Getränk bereits in der einen Hand und mit der anderen Hand an der Hosentasche fällt mir gerade noch ein, daß sich meine Kronen in einem vor dem Spiel erworbenen Portemonnaie aus dem Fanshop der gelb-blauen befinden. Yikes! Schlagartig ist der Flüssigkeitsbedarf gedeckt.

Glücklicherweise finde ich gleich in der ersten S-Bahn einen Platz, so daß der Bus zur Rückfahrt nach Hamburg mit Müh und Not noch erreicht wird. Dieses Derby will ich mal als Wiedergutmachung gelten lassen...

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