Zehn Indizien dafür, dass dein Verein in der dritten Liga spielt | 3 : 0 |  | | F.C. Hansa Rostock | - | VfR Aalen |
Was hatten wir doch für Bedenken vor diesem Saisonauftakt. Wie würde sich unsere neu formierte Mannschaft im ersten Pflichtspiel präsentieren? Wie viele Zuschauer würden wohl nach dem Abstieg wiederkommen? Wird das mit der neuen Hintertortribüne gut gehen? Nun – ein erstes Fazit fällt durchaus positiv aus. Mit einem überzeugenden und klaren Sieg gegen den Aufsteiger aus Aalen hat die Mannschaft ein beachtliches Zeichen gesetzt und Hoffnungen auf eine aus sportlicher Sicht unspektakuläre Saison (jedenfalls nicht so „spektakulär“ wie die letzten drei Spielzeiten) geweckt. Auch die Premiere der neuen Südtribüne wusste durchgängig zu gefallen. Toller, abwechslungsreicher Support mit großer Beteiligung und schicker Optik bestimmte über weite Strecken das Bild, so dass die Fans ihren Teil zu einem sehr gelungenen Fußballnachmittag beitrugen. Kurz gesagt – eigentlich kann man nicht meckern. Das geht so natürlich nicht und deshalb habe ich zehn nicht immer todernst gemeinte Merkmale zusammengetragen, die uns vor Augen führen, dass wir wirklich in der 3. Liga spielen. Nummer 10: Als Jahreskarteninhaber musst du deine Tickets selber sortieren, da der Spielplan erst knapp drei Wochen vor dem Saisonstart veröffentlicht wird und somit kein geordneter Druck mehr möglich ist. Um die Wirkung von Murphys Gesetz zu mildern, bringen Perfektionisten vorsichtshalber zum ersten Heimspiel die Eintrittskarten für Aalen und Ahlen mit, damit auch wirklich nichts schief geht. Nummer 9: Bei der gewohnt rechtzeitigen Anreise über die sommerliche A20 sieht man mehr Wohnmobile oder Fahrzeuge mit Fahrrädern auf dem Dach als mit Hansaschals in den Fenstern. Aber der Schein trügt zum Glück manchmal, denn später werden 14000 Zuschauer im Ostseestadion sein. Das bringt uns zu Nummer 8: Beim Verkauf der Tageskarten an den Stadionkassen stößt die „innerbetriebliche“ Organisation des FC Hansa mal wieder an ihre Grenzen. Schlangen, die eines Begrüßungsgeldschalters würdig wären, lassen Erinnerungen an frühere sozialistische Wartegemeinschaften aufkommen. Dem Vernehmen nach haben jedoch zahlreiche Kaufwillige keine rechte Freude an (n)ostalgischer Animation und verzichten lieber auf den Stadionbesuch. Schade. Auch aus dem Fanshop hört man an diesem Tag nicht viel Gutes. Die durch einen Hansafan mit dem Ticketservice telefonisch vereinbarte Abholung von fünf Jahreskarten erweist sich für die tapferen Verkäuferinnen als schier unlösbare Aufgabe, die an einem Spieltag nicht umzusetzen sei. Neben dem an sich schon überzeugenden Argument besticht dabei besonders die Freundlichkeit der Angestellten, die in der Frage gipfelt: Haben Sie überhaupt so viel Geld dabei? Grandios. Nummer 7: Auf dem Parkplatz hinter der Südtribüne stehen zum wohl ersten Mal überhaupt weniger Polizei- als Rettungsfahrzeuge. Auch die sichtbare Ordnerzahl wurde deutlich reduziert. Aber das muss nicht unbedingt etwas mit der Liga zu tun haben. Haben wir hier tatsächlich Anzeichen für ein weiteres Zusammenrücken von Verein und Fans? Schön wär’s ja. Nummer 6: Nach erfolgreich absolvierter Einlasskontrolle offenbart ein Blick auf die wenigen geöffneten Wurst-/Getränketresen, dass das Anstehen da genauso lange dauert wie an den Kartenschaltern, was erneut zu Verzichtsreaktionen führt. Und auch hier darf man sich wohl über freiwillig verschenkten Umsatz wundern. Kann ja nur besser werden. Nummer 5: Der heutige Gegner bringt noch weniger Fans mit als der Verein, der vorübergehend den uns zustehenden Zweitligaplatz warm hält. Es sind so wenige, dass nicht mal der Gästeblock geöffnet wird und sie stattdessen auf der Osttribüne unterkommen. Hoffentlich sehen die Sitze dort besser aus als in Block 27a, wo der Vogeldreck aus 9 Jahren stalagnitengleich in die Höhe wächst, als wollte man eine Hämorrhoiden-Massagebank erproben. Wenigstens hat auch nach dem Umzug der aktiven Supporter auf die neue Hintertortribüne niemand etwas dagegen, wenn man während des Spieles stehen bleibt. Vielleicht lässt sich ja bei Gelegenheit die Platzberegnung so einstellen, dass der Wasserstrahl mal durch den Block geht, wenn es schon nicht für einmal Kärchern in der Sommerpause reicht. Nummer 4: Auch in Liga 3 kommt es vor, dass sich Spieler in Zweikämpfen verletzen. Dass die Beschaffung einer Trage und deren Eintreffen beim verletzten Spieler so lange dauert, dass inzwischen bereits die Selbstheilung einsetzt, ist schon eine neue Qualität. Ganz großen Sport demonstriert in dieser Situation übrigens der am unglücklichen Zusammenprall mit Dexter Langen (Gute Besserung!) beteiligte Aalener Spieler, der sich mehrere Sekunden lang bühnenreif auf dem Rasen wälzt und dann – vermutlich mangels Zuwendung – wie von Gottes Hand kuriert zur Ersatzbank schlendert, um sich etwas zu Trinken zu besorgen. Nummer 3: Auswechslungen werden jetzt wieder mit Pappschildern angekündigt. Das ist nicht weiter bedeutsam, soll aber der Vollständigkeit halber als Drittliga-Indiz erwähnt werden. Nummer 2: Enrico Neitzel und Marcel Schied treffen das Tor. Den beiden jetzt deshalb ewiges Drittligistendasein zu wünschen, wäre fies. Also macht einfach fleißig so weiter – das übt ja auch für eventuelle höhere Aufgaben eines hoffentlich nicht fernen Tages. Und nun die Nummer 1 und das absolut sicherste Zeichen, dass wir in Liga 3 angekommen sind: Hansa gewinnt mit 3:0 und niemand lacht dich aus, wenn du sagst, es hätte durchaus höher ausgehen können. Ja – das muss die dritte Liga sein. Da kannst du nicht meckern. Uwe
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