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Über Frankfurt nach Berlin
1 : 2
Eintracht Frankfurt
-
F.C. Hansa Rostock

Als Hansafan hat man schon viel erlebt: Man ist durch Täler gegangen(viel zu oft) und hat bereits schon Berge erklommen. Nach dem gestrigen Tag fühle ich mich, wie nach dem Besteigen der Zugspitze – eine „Berg" Tour, die mich nervlich bis ans Äußerste forderte.
Eigentlich hat es sich aus Kostengründen bewährt mit der deutschen Bummel Bahn zu den Auswärtsspielen des FCHs zu reisen. Doch auf Grund des ungünstig gestalteten Zugfahrplan und der Tatsache, dass es im Voraus ungewiss ist, wann der Referee die Mannschaften zum Duschen schickt, entschieden wir uns dieses Mal strikt gegen die Bahn.

Geplant wurde die Reise mit einem „Smart fortwo", der auf Grund seiner Geschwindigkeitsbegrenzung von 135 km/h wenig Umgewöhnung auf die sonst üblich durchschnittliche Geschwindigkeit im Regional Express erforderte. Doch wurden mir in den letzten Tagen böse Schauermärchen über die Fahrt mit einem Smart auf der Autobahn kundgetan(„Der schwimmt wie ´ne Ente", „Man hat richtig Angst ab 120 km/h")
Meine Miene erhellte sich dann doch merklich, als mir die Service Dame bei der Autovermietung „mit Bedauern mitteilte, dass leider kein Smart mehr vorhanden ist". Stattdessen nahm ich die Schlüssel eines kleinen Nissans entgegen. Wie schade aber auch.

Unglaublich, dass ich nach fast einem Jahr seit dem Erwerb des Führerschein mal wieder ein Auto selber lenken darf. Zügig sammelte ich noch meinen Mitfahrer Jens ein und schon ging es los – auf zur 2.Etape Frankfurt mit Endziel Berlin!

Die Fahrt verlief relativ entspannt, die Stimmung in der gemieteten Karre war auf Grund des bevorstehenden und wichtigen Spiel sehr angespannt. Wir beide wussten, dass es für den Verein enorm wichtig ist, finanziell so bald wie möglich wieder in einen grünen Bereich zu kommen. Und der Pokal Wettbewerb kann uns hierbei schnell und zügig helfen.
Kurz vor Würzburg schlitterten wir bei Dauerregen mitten in einen schon lange angekündigten Stau, der uns ca. 45 Minuten im Regen stehen ließ. Durch unser großzügiges Zeitmanagement parkten wir unseren kleinen Flitzer dennoch Punkt 18 Uhr auf den Parkplatz des örtlichen Frankfurter Stadions.
Im Block Eingang trafen wir Juliane, die den weiten Weg von Wiesbaden bis nach Frankfurt nicht gescheut hatte ;-) Der Begriff „Heimspiel" muss wohl für jeden Hanseaten individuell definiert werden. Als ich meinen Blick durchs weite Rund schweifen ließ, fielen mir etwa 700 blau-weiße Mannen auf, die es sich trotz der ungünstigen Terminierung, nicht nehmen ließen Hansa voll und ganz zu unterstützen.

Pagelsdorf hatte, wie es zuvor in den Medien bereits angeklungen war, einige Veränderungen, in der Startformation vorgenommen. Auf der immer viel kritisierten linken Außenverteidiger Position versuchte sich dieses Mal Neuzugang Oczipka. Doch trotz dieser Veränderungen knüpfte Hansa nahtlos an das Auswärtsspiel in Ahlen an. Permanente und leichte Abspielfehler sorgten zu Beginn der Partie für einiges Haareraufen und bangen Blicken zum Spielfeld. Nicht selten war die Frage „Geht das schon wieder los?" aus dem Gästeblock zu vernehmen. Viel zu oft ließ sich die Hansa Verteidigung überlaufen, vor allem die Außen wirkten zunächst schwach. Frankfurt tat anfangs das, was wir bei Hansa so gerne sehen würden: Schnelle, direkte Kombinationen mit klugen Pässen von der Grundlinie. Alleine Jörg Hahnel war es zu verdanken, dass es nach einer halben Stunde immer noch torlos remis stand.

Die Stimmung in der Gästekurve wirkte zu Beginn recht gut, da Eggi, nach zwei Auswärtsspielen Abstinenz, es wieder auf den Zaun schaffte. Doch irgendwie litt die Atmosphäre doch gegen Ende der ersten Hälfte sehr. Lag es am schwachen Auftritt unserer Mannen?

Wie in Ahlen schaffte es Hansa nicht die erste Halbzeit ohne Gegentor zu überstehen und ausgerechnet Fenin, der seit so vielen Spielen nicht mehr getroffen hat, netzte kurz vor dem Pausentee ein.
Die Halbzeit Bratwurst im Stadion genießt auch der Fan der Gastmannschaft nur mit einer sinnfreien Chip Karte, die er mit einem Betrag von mindestens 10€ aufgeladen werden muss. Ich zweifle, dass ich für die Karte jemals eine Verwendung nach dieser Partie gehabt hätte. Dennoch konnte ich, dank einiger böse Blicke, meine Stadionwurst mit barer Münze begleichen.

In der zweiten Hälfte wirkte unser müdes Geklatschte eher wie die Selbstmotivation einer Selbsthilfe Gruppe. Das ändert sich schlagartig, als Kern nach einem Stellungsfehler des Eintracht Torhüters zuschlug. Endlich war der Gästeblock aufgewacht, endlich lagen sich alle wieder in den Armen und freuten sich aus vollem Leibe. Ein Gefühl, welches in den letzten Spielen immer weniger geworden war.

Mit Seitenstechen vom heftigen Jubeln ging es weiter. Hansa wirkte nun bissiger, war präsenter in den Zweikämpfen und erkämpfte sich jeden verloren Ball. Besonders Tobias Rathgeb, entpuppte sich als Arbeitsbiene und gewann unglaublich viele wichtige Zweikämpfe. In mir stiegen Erinnerungen an unseren schönen Auswärtssieg letztes Jahr in Berlin hoch. Die Partie wirkte ausgeglichen, doch sie hätte ihr ganz böses Ende nehmen können.
Der Frankfurter Elfmeter war aus meiner Sicht auch vollkommen berechtigt, wurde aber schwach und unplatziert getreten. Trotzdem war es einfach der Abend für Jockel, der sich durch viele tolle Paraden auszeichnete. Mit diesem psychologischen Vorteil ging es in die Verlängerung und nicht nur Jens war sich sicher, dass Hansa nun alle Karten selbst in der Hand hatte.

Die Stimmung war ausgelassen, es war schon ein riesiger Erfolg überhaupt diese Verlängerung erreicht zu haben. Nach 99 Minuten scherzte ich mit dem Spruch „Unglaublich jetzt lässt der Schiedsrichter schon 9 Minuten nachspielen" in die Runde. Jens lächelte nur müde. 2 Minuten später hüpfte er mit mir im Dreieck, als Kern das 2:1 erzielte. Der Gästeblock kannte kein Halten mehr und es begann das innerliche Runterzählen der verbleibenden Minuten. Immer und immer wieder gelangte der Ball in den 16er der Kogge. Aber meistens stand Gledson da und wuchtete den Ball aus der Gefahrenzone.
Und dann ließ es der Referee endlich gut sein und die Gästekurve durfte noch einmal schlussendlich jubeln. WIR SIND IM ACHTELFINALE! Die Erleichterung war natürlich allen anzusehen und die Tatsache, dass wir als Außenseiter einen Bundesligisten aus dem Pokal raus geworfen haben, sorgte für eine unglaubliche Freude.

Die Mannschaft bedankte sich artig bei den mitgereisten Rostocker und auch unser Trainer wurde mehrfach mit lauten Rufen gefordert. Anscheinend scheint ein Großteil der Anwesenden nicht aus dem Hansaforum zu kommen, angesichts der heftigen Kritik der letzten Wochen waren diese „Pagelsdorf“ Rufe nicht zu erklären. Ein halbwegs gutes Spiel und alles scheint vergessen.
Gegen 0:30 Uhr erreichen wir wieder sicher Nürnberg und stellen fest, dass es gar nicht so einfach ist einen Tankdeckel erfolgreich zu öffnen. Erst meinen menschlichen Sachverstand ist es zu verdanken, sich gegen der Gebrauchsanweisung zu halten und die Kappe in die andere Richtung zu drehen.

Was bleibt ist ein überaus wichtiger Geldsegen und die Tatsache auch nach der Winterpause einen Pokal Fight erleben zu dürfen. Wir sollten für unsere junge Mannschaft Geduld aufbringen und kleiner Fehler auch verzeihen. Dann klappt das auch wieder mit dem Erfolg.

Auf eine neues gegen St. Pauli am Freitag!

Florian




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