Ich muß zugeben, daß sich erst dieses Auswärtsspiel in Münster wie der „echte“ Start in die Restrunde anfühlt. Regensburg, ja gut okay, hat halt irgendwie stattgefunden und wir haben sogar einen Punkt zuhause behalten, also wachen wir an diesem Sonntag irgendwie mit einem Spiel und einem Punkt mehr in der Tabelle auf, ohne daß ich es mir so recht erklären kann. Längerer Schlaf hätte vielleicht zu 20 Punkten mehr geführt, wer weiß das schon so genau.

Münster jedenfalls, seit jeher eines meiner Lieblingsreiseziele. Von Hamburg aus nur einen müden Katzensprung entfernt, traditionell recht entspannte Örtlichkeit und mit dem Preußenpark eines der letzten echten Stadien des deutschen Profifußballs. Außerdem ist da diese Spur Optimismus, daß bei den zuletzt gebeutelten Preußen ja vielleicht doch etwas mehr geht als ich innerlich die Wände hoch. Leider fehlt dieses Mal das Flutlicht, um den Rahmen noch ein klein wenig fußballromantischer zu gestalten.

Die Hamburger Durchblicker sind in angemessener Mannstärke vertreten, mental allerdings partiell anderweitigen sportlichen Großereignissen zugewandt. Irgendeine überlegene Schale, WTF. Dabei sind die Bälle dort nicht einmal rund und das Spiel dauert dank 732 Werbeunterbrechungen gefühlt bis Mittwoch. Unter fortgesetztem Bedauern der Reiseplanung betreffend des Folgewochenendes sind wir problemlos rechtzeitig vor Ort und harren unter munterem Klamauk der Dinge, bis der Anpfiff ertönt.

Es ist kaum eine Viertelstunde gespielt, da ist mein persönliches Kontingent an Optimismus beinahe erschöpft. Bis dato verzeichnen wir zwei Stockfehler der Qualitätsstufe Kreisklasse B und drei Flankenversuche, die punktgenau auf dem Kopf eines zwölf Meter großen Stürmers landen, der etwa elf Schritte hinter der Grundlinie steht. Oh, und außerdem heißt es bereits 0:1.

Weiters plätschert das Spiel auf und abseits des Feldes so vor sich hin, scheinbar beginnt der Rest der Saison auch heute nicht. Das Gesamtpaket vermag an diesem Tag nicht zufriedenzustellen. Die Chancen, die es gibt, gehören den Preußen und auch das Supportvolk erwischt auf beiden Seiten keinen Glanztag. Befänden wir uns im Ostseestadion, würde ein Gutteil der Jahreskarten-Inhaber die Darbietung als eines der Rabattspiele werten. Hier und heute ist das ein bißchen schwieriger.

Der Pausenpfiff erweist sich als mein persönliches Hochlicht des ersten Durchgangs, das leider durch das Anpfeifen der zweiten Hälfte konterkariert wird. Spätestens mit dem zweiten Treffer ist der Drops eigentlich gelutscht, Tor 3 erinnert mich in Entstehung und Ausführung schon beinahe an die Glanzstunde in Reutlingen. Ganz groß. Zum Glück ist Münster nicht wirklich besser als wir, bestenfalls etwas weniger unfähig. Es gibt keinen Grund, mit dem Schlußsignal nicht augenblicklich das Weite zu suchen. Vom Gefühl her ist das heute der Willkommensgruß im Abstiegskampf. Hello again.

Es wäre so typisch Hansa Rostock, nach dem Verlängern der Arbeitspapiere mehrerer potentieller Leistungsträger für die laufende und des hauptamtlichen drill instructors gar für mehrere weitere Spielzeiten nun eine Handvoll erbärmliche Resultate nebst unterwältigender sportlicher Darbietung aufzufahren, um den eingeschlagenen Weg auch ja nicht erfolgversprechend auszuleuchten. Einmal mehr gibt ein Kontrahent nach drei Pleiten in Folge auf unsere Kosten ein Lebenszeichen von sich und einmal mehr sah es nicht so aus, als seien wir der Situation gewachsen gewesen. Angesichts von nun sieben Punkten Luft nach oben (und dem Umstand, daß es gefühlt 42 Teams zu überrunden gälte) sollte bei den kühnen Träumern final der Wecker geklingelt haben. Einmal mehr hat die Absicherung des eigenen Hinterteils oberste Priorität.

Immerhin macht das Fahren in der Gruppe unvermindert Laune (und das sage ich als jemand mit der Sozialkompetenz von Bernd, dem Brot). Die geteilte Freude auf die etwas längere Anfahrt zum nächsten Kick sorgt nicht unbedingt für doppelte Freude, aber was solls. Das Abhaken des gestrigen Tages, es funktioniert je nach Sichtweise erstaunlich bzw bedrohlich leicht.

HANSA!

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