Es gibt ja bekanntlich viele Floskeln im Fussball. Angeblich ist der Ball rund, exakt 90 Minuten ist ein Fussballspiel noch nie gegangen, für die einen kommt der Abpfiff zu kurz, die anderen sind froh dass Schluss ist. Es ist alles eine Frage der Zeit. Selbst eine Mannschaft wie der FC Hansa, mit kurzem Umweg auf dem Pfad des Misserfolgs und der damit drohenden Ziellosigkeit der Saison, findet zurück in die Spur. Für viele ist der Saisonstart nach der Rückserie der letzten Spielzeit nach wie vor unerklärlich, so berechtigt war die Euphorie und das gute Gefühl bei dem Blick auf das hauseigene Bollwerk vor dem eigenen Kasten.

So ernüchternd aber auch dann die Auftritte besonders vor eigenem Publikum. Wir sind in der Saison drin und das mit Wind im Segel. Ziemlich schnell durch 3 Siege hat die Spielzeit einen Aggregatzustand angenommen und die letzten Auftritte waren mehr als vielversprechend. Neben der defensiven Stabilität kommt nun endlich auch der Funke Leichtigkeit und Spielfreude hinzu. Das wird darin deutlich dass auch unsere Verteidiger treffen (auch offensive Spieler defensiv absichern und dieses Vorstoßen ermöglichen) wir in Drucksituationen die kreative und spielerische Befreiung anstreben (Direktpass, Zone überspielen) und bei Ballgewinn auch mal mit maximalen Tempo in die Tiefe oder vertikal spielen. Nein Hansa, nicht nur kämpfen und siegen, sondern auch den Ball wollen, fühlen und kontrollieren. Es muss nicht immer Genussfußball sein, aber auch das ist für den Zuschauer ein Grund, ins Stadion zugehen. Dass sich zum Einen 11 Hanseln mit der Kogge auf der Brust den Allerwertesten aufreißen und zum Anderen diese auch wissen, was man mit dem Spielgerät alles veranstalten kann.

Aus „Ich fand das ganz große Glück im Zug nach Osnabrück“ wird „Mit Stolz denke ich an das Jubiläumsspiel mit Choreo zurück“. Ein ganz besonderer Tag, oder irgendwie doch normal. Weil Hansa. Ein Tag so stimmungsvoll und in seiner Emotionalität bedeutsam. Hier bin ich zuhause, das spielerische trat in den Hintergrund. Fast. Nicht so diese Saison. Der lilaweiße VfL mit sehr beachtlichem Saisonstart und absolut respektabler Punktebilanz, jedoch nach dem Ausfall von Sturmtank Halil Savran mit absteigender Formkurve. Rein individuell betrachtet hat sich Savran auch für die Kogge immer den Arsch aufgerissen und war ein starker Anführer als Angreifer bzw. erster Verteidiger. Nicht wenige haben sich ihn besonders in der Phase der blauweißroten Sturmflaute wieder in unseren Farben gewünscht. Ich gestehe, ich tue dies immer noch. Ganz einfach, weil so ein Typ wie ihn jeder Mannschaft gut tut und jedem Gegenspieler auf den Sack geht. Kollektivtaktisch fehlt es ohne ihn dem VfL Osnabrück erheblich an Druck gegen den Ball in der gegnerischen Hälfte, zu sehr der Modus Sicherheit, zu wenig auch mal Wege die keinen Sinn zu ergeben scheinen, bzw. die nicht jeder geht weil es weh tut. Der VfL wird sich wahrscheinlich wie eine typische Gastmannschaft verhalten und sich auf das Umschaltspiel konzentrieren. Wohlwissend der Form unserer Kogge, welche die Zeit durch das Pokalspiel sinnvoll nutzen konnte. Jeder Sieg hilft. Besonders erfreulich ist, dass neben einem festen Stammkader wieder Qualität von der Bank oder aus der 2.Reihe kommt und jüngere Spieler aus dem Anschlusskader durchaus eine ernstzunehmende Chance auf Einsatzzeit haben. So schnell kann es gehen. Ruckzuck wird aus oben und unten Tabellennachbar. Raus aus dem Mittelmaß? Rein ins Elend? Festbeissen an der Spitze? Let’s Fussball. Let’s Ostseestadion. Der VfL hat in der 3.Liga noch nie an der Ostsee verloren. Eine Frage der Zeit. Jetzt ist gefühlt der Zeitpunkt die Formkurve zu bestätigen und den Wind im Segel mitzunehmen. Die Kulisse wird wieder voll und ganz dran sein, der VfL bringt auch ein paar Hanseln mit. Zeit für Heimsieg.

Hansa. Ich wachse mit dir auf, ich werde mit dir alt.
Wohin du auch gehst ich folge, bin immer bereit.
Es gibt viele Wege, aber kein Zurück oder Halt
Jeden Spieltag sind wir Eins. Keine Frage der Zeit.

Hansa!

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