Kommentar

Wer hat die Macht?

Auf diese simple Frage läuft es hinaus, wenn der Verein heute in bester Basta-Manier mitteilt, dass die Südtribüne geschlossen bleibt.

Scheinheilig bedankt man sich für das professionelle Auftreten der Fanvertreter, um ihnen im nächsten Halbsatz in den Arsch zu treten. Die angebliche Faktenlage bleibt dabei natürlich undurchsichtig. Es wurde entschieden und das hat gefälligst jeder zu akzeptieren. Keinerlei sachlich fundierte Begründung, welche Fakten zu der Entscheidung geführt haben. Keinerlei Erklärung, was man eigentlich in den vergangenen sieben (!!) Monaten unternommen hat, um das Problem zu lösen. 

 

Welches Problem denn überhaupt? Es gab die unzweifelhaft unschönen Szenen beim St. Pauli-Spiel. Wenn man sich darauf bezieht, hätte auch die Osttribüne geschlossen werden müssen, denn auch von dort wurde der Gästeblock "befeuert". Aber dieser sinnlose Aktionismus liess sich erstmal gut in den Medien verkaufen.

Die Entscheidung honoriert nicht im Geringsten, dass in der Rückrunde nichts, aber auch gar nichts passiert ist. Selbst die Demonstration in Hamburg, für die ja schon der Bürgerkrieg angekündigt wurde, blieb ruhig. Die ganzen Mühe vor allem der Fans von der Süd bei der Aktion "Ja zum FCH" wurde ebenso wenig gewürdigt. Warum also sollte man sich für den Verein engagieren? Die der Pyrotechnik zugeneigten Fans werden sich sagen: Warum sollten wir dem Verein entgegenkommen und uns zurückhalten? Also wird es wieder rauchen. 

Warum sollte man sich mit dem Verein an einen Tisch setzen, wenn am Ende doch wieder nur Macht demonstriert werden soll? Wer hat denn im Verein eigentlich die Macht? Die Entscheidung legt nahe, dass es nicht der Vorstand ist. Derjenige, der für diese Entscheidung vermutlich zu verantworten hat, spielt damit weiter sein perfides Spiel, mit dem Gewalt provoziert werden soll, wo keine ist. Die "Task Force" soll die "zunehmende Gewalt" eindämmen. Fragt sich nur, wo die Gewalt zunimmt. Denn belastbare Zahlen gibt es darüber nicht. 

Hat sich eigentlich mal einer die Mühe gemacht, die Worte task und force zu übersetzen? Aufgabe erzwingen. Treffender kann man es nicht formulieren. Hier wird eine Aufgabe generiert, die gar nicht notwendig ist. 

Da der Verein ja so "transparent" geworden ist, wie der Vorstand es proklamiert hatte, erfahren wir die Faktenlage nicht. Also spekulieren wir mal etwas über das Offensichtliche. Die Südtribüne und ihre Nähe zum Gästeblock ist ein Problem. Das war sie aber schon bei ihrer Einrichtung als Hintertortribüne. Damals hat man die Situation in Kauf genommen. Warum?

Seitdem hat es einmal in diesem Bereich geraucht (Ahlen vor ziemlich genau zwei Jahren) und es gab St. Pauli. Diese zwei Ereignisse in knapp drei Jahren haben Fakten geschaffen, die es erfordern, einen unhaltbaren Zustand aufrecht zu halten?

Und warum macht man dann nicht einfach die Nordtribüne zur Hintertortribüne, wie es bei jedem anderen Verein der Welt gemacht würde? Wegen ein paar Dauerkarteninhabern, die ein angebliches Gewohnheitsrecht auf ihren Sitzplatz haben? Diese Begründung war schon vor 10 Jahren Unsinn, als es noch Arbeitsgruppen gab und der Verein auch schonmal so tat, als würde er etwas auf die Meinung der Fans geben. Dann gibt man diesen Dauerkarteninhabern einfach für die kommende Saison eine Dauerkarte auf der Osttribüne zum Preis der Nordtribüne. 

Der Verein verzichtet aber lieber auf Heimspielatmosphäre, auf Einnahmen und letztlich sehr wahrscheinlich auch auf Punkte, um einem kranken Hirn zu ermöglichen, seine paranoiden Sicherheitsphantasien auszuleben. Diese Entscheidung hilft niemandem. Nicht den Fans, nicht der Mannschaft und schon gar nicht dem Vorstand. Dass sie trotzdem so gefallen ist, zeigt, dass dieser Vorstandsvorsitzende nicht das Wohl des Vereins im Sinn hat. 

Herr Hofmann, ich fordere Sie auf, NIE WIEDER irgendwo in der Öffentlichkeit mit einem Hansa-Schal aufzutreten. Sie haben zu verantworten, dass die Südtribüne ohne echte Notwendigkeit geschlossen wurde. Sie haben zu verantworten, dass dieser Zustand so bleibt. Ich kenne Ihren Antrieb nicht, das Wohl des F.C. Hansa ist es jedenfalls nicht. Also beschmutzen Sie nicht weiter UNSERE Kogge.

Aber was machen wir nun? Für eine außerordentliche Mitgliederversammlung braucht man ein Viertel der stimmberechtigten Mitglieder, für die Abberufung von Vorstandsmitgliedern genügen 20% der stimmberechtigten Mitglieder. Ist das zu machen? Es sollte zumindest versucht werden. Der Vorstand und ein offensichtlich alles absegnender Aufsichtsrat sind nicht mehr tragbar. Die Aktionen vor dem 9. Mai haben gezeigt, was geht "wenn wir zusammen stehn" (Kollektiv Hein Butt). Wir sind der Verein, es wird Zeit, das mal wieder zu beweisen.

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